Bericht TUS Lutten

Es ist nach wie vor selten, dass auf den Fußballplätzen eine Schiedsrichterin die Spielleitung übernimmt. Rein zahlenmäßig gesehen bewegt sich der Anteil der Schiedsrichterinnen im NFV Kreis Vechta mit 20 Schiedsrichterinnen noch unterhalb von 10 % aller aktiven Schiedsrichter im Kreis. In den letzten Jahren ist aber gerade bei den Frauen und Mädchen die Tendenz erfreulicherweise steigend.

Umso bemerkenswerter ist es, dass nun in einem Anwärter-Lehrgang gleich drei neue Schiedsrichterinnen aus einem Verein kommen. „Wir haben es über viele Jahre probiert und in den C-Juniorinnen- und B-Juniorinnen-Mannschaften Werbung für dieses Hobby gemacht. Leider war die Resonanz bislang immer eher gering. Umso mehr freut es uns, dass nun gleich drei Mädels den Weg an die Pfeife gefunden haben“ so Jakob Dammann, einer von zwei Vereins-Schiedsrichter-Obmännern des TuS Lutten.

Die drei Freundinnen, namentlich Clara Frilling, Frieda Meyer und Mia Petkau, spielen gemeinsam in der C-Juniorinnen-Mannschaft des TuS Lutten. Der kleine Ortsteil in der Gemeinde Goldenstedt kommt auf etwas über 3.000 Einwohner. Im Herzen des Ortskerns liegt die örtliche Sportanlage, die neben drei Fußballplätzen auch eine Sporthalle sowie den Schützenverein beherbergt. „Gemeinsam mit Freundinnen und Klassenkameradinnen auf dem Fußballplatz zu stehen, ist immer wieder ein schönes Erlebnis“ berichtet Frieda Meyer. Insbesondere natürlich dann, wenn die Saison so erfolgreich verläuft, wie die Rückrunde in der 1. Kreisklasse im Kreis Vechta. 8 Spiele, 8 Siege, 33:3 Tore – so lautet die Bilanz der Mannschaft.

Nun also kommt neben dem Einsatz als Spielerin auch die Tätigkeit an der Pfeife dazu. „Als Moritz bei unserem Training so leidenschaftlich von seinem Hobby als Schiedsrichter erzählt hat, wollte ich gern dabei sein. Umso schöner, dass wir den Lehrgang dann zu dritt besuchen konnten“ erzählt Clara Frilling. Moritz Bramlage, der zweite Vereins-Schiedsrichter-Obmann im Verein, ist zugleich Schiedsrichter-Lehrwart im NFV Kreis Vechta. In dieser Funktion schulte er im Januar 2026 insgesamt 33 neue Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die nach erfolgreicher Prüfung nun im Kreis Vechta ihre ersten Schritte als Spielleiter machen konnten.

„Hilfreich war es, dass wir in den ersten drei Spielen von einem Paten begleitet wurden. Das hat mir ein Gefühl von Sicherheit und Unterstützung gegeben“ berichtet Mia Petkau. Der NFV Kreis Vechta hat in dieser Saison erstmals das DFB-Patensystem eingesetzt. So konnte sichergestellt werden, dass alle Neulinge in ihren ersten Spielleitungen von erfahrenen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern begleitet wurden. Dieses bereits in vielen Kreisen bewährte Konzept hat auch in Vechta großen Anklang gefunden. So lernen die Jung-Schiedsrichterinnen und Jung-Schiedsrichter gleich zu Beginn den organisatorischen Ablauf vor und nach dem Spiel und erhalten Feedback für ihre Leistung sowie Ratschläge für kommenden Einsätze.

Auch als Schiedsrichter-Assistentin kamen Mia und Clara bereits zum Einsatz. Eine völlig andere Perspektive, die dennoch beiden großen Spaß bereitet hat – insbesondere, weil man auch dort als Team auftritt und vom Schiedsrichter auf dem Platz unterstützt wird.

Der Niedersächsische Fußballverband hat es sich mit der Aktion „Dein Spiel!“ als Ziel gesetzt, mehr Frauen und Mädchen als bisher für den Fußballsport zu begeistern. Dies gilt für alle möglichen Funktionen von Spielerinnen, über Trainerinnen bis hin eben auch zu den Schiedsrichterinnen. So wurden die neuen Schiedsrichterinnen beispielsweise allesamt durch den NFV mit einem Trikotsatz sowie einem Schiedsrichterset inklusive gelber/roter Karte und einer Pfeife ausgestattet. 

Für den TuS Lutten hat sich die Gewinnung von drei Schiedsrichterinnen nun besonders gelohnt: Bei drei neuen Schiedsrichterinnen, die nach Ablegen der Schiedsrichter-Prüfung mindestens drei Spiele in dieser Funktion geleitet haben, erhält der Verein nun einen Bonus von 200 Euro. „Uns war das vorher gar nicht bewusst, aber es ist natürlich ein schönes Zeichen, dass der Verband unsere Schiedsrichterinnen hier so unterstützt“ weiß Moritz Bramlage. „Uns ist es aber wichtiger, dass die drei unserem Hobby auch weiterhin treu bleiben und großartige Erfahrungen mit uns auf dem Platz sammeln.“